Hach ja, da hatte ich monatelang nix zu sagen, und jetzt haben wir so viel erlebt, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll! Am besten wahrscheinlich am Anfang.
Ueber die letzten Monate habe ich mit einigen Kollegen an einem Projekt gearbeitet und wurde stellvertretend fuer das Team nach Washington zu einer Konferenz geschickt. Habe also kurzerhand Barry ueberredet, mitzukommen, und aus der Gelegenheit einen Urlaub gemacht.
Es ging also los, zuerst nicht extrem vielversprechend denn Nebel in Heathrow hatte am Abreisetag zur Streichung diverser Fluege gefuehrt. Wir durften aber einsteigen - und dann fast 3 Stunden auf der Landebahn rumsitzen. Ein bisschen wie Stau, das ist auch immer schlimmer als genauso lange Fahren. Und danach noch, puh, so 9 Stunden Flug.
Aber dann waren wir da, schickes Hotel und alles prima. Besonders das Fruehstueck. Fuer 20 (!!!) dollar gab’s ein Buffet mit allem Moeglichen von Zerealien ueber Omlettes zu Bagels. Ordentlichen Tee gab’s allerdings nicht, aber wir durften unsere eigenen Beutel mitbringen, das nenne ich Service. Abgesehen vom Fruehstueck gab’s in Washington nicht so viel Aufregendes. Wir haben uns brav die Monumente angeguckt, also das Lincoln Memorial, die National Mall und das Weisse Haus von Aussen. Ist wahrscheinlich alles beeindruckender, wenn es von jeder Menge Leuten bevoelkert ist, aber es war leider tote Hose. Das war generell der Eindruck von Washington, wo es ausser den Horden von Joggern eigentlich keine Fussgaenger gab. Interessant wird es wahrscheinlich IN den Gebaeuden wo die Weltenlenker in klimatisierten Raeumen die Strippen ziehen, aber da haben wir nicht so den Einblick bekommen.
Dann ging es mit dem Greyhound Bus nach New York! Das war an sich schon ein Erlebnis mit einem Busfahrer, der sich maechtig wichtig vorkam und erstmal drohend ankuendigte: “Ich komm jetzt durch, die Tickets checken!” Hui!!!
Unser Apartment war in Brooklyn (nicht mit der Bronx zu verwechseln, das waere tragisch…). Als wir abends ankamen, war es schon dunkel und wir schleppten unsere Koffer durch die Nacht, vorbei an einem sogenannten Park (in Europa heisst sowas “Betonflaeche”) in dem sich diverse Gestalten in kleinen Gruppen versammelt hatten und angeregt unterhielten. Creepy! Um die Ecke dann endlich angekommen, war ich zunaechst doch etwas geschockt denn von aussen sah das Haus im Dunkeln doch recht heftig aus. Der Vermieter war ein extrem freundlicher Mensch, der alles, was man ihm erzaehlte, total toll fand. Sowas finde ich in so einer Situation ja ein bisschen schwierig. Als wir dann aber die Koffer die Treppe hochgehievt hatten, fanden wir eine schnuckelige, helle und freundliche Wohnung vor. Meiner Meinung nach roch es leicht nach Urin, aber vielleicht hatte sich das auch einfach in meiner Nase festgesetzt. Jedenfalls konnte man es da gut aushalten.
Am ersten Abend setzten wir uns auf die Couch und zappten durch saemtliche TV-Kanaele - dauerte gute 30 Minuten. 100+x Kanaele, und nix laeuft! Dabei war die Werbung oft noch interessanter als das Programm (ausser dem mit dem sexy Handwerker, der armen Leuten fuer umsonst ihre Haeuser rennoviert, uhhh!). Und spaeter drueckte ich den ein oder anderen Knopf, und schwupps, ging nur noch MTV. Ab dann haben wir uns dann mit Lesen unterhalten.
New York war der absolute Hammer. Haben uns gleich ins Getuemmel gestuerzt und erstmal ueber die Brooklyn Bridge gelatscht. Eine klasse Aussicht und ein wunderschoenes Bauwerk, wenn sie auch grade renoviert wurde und man den ein oer anderen Lattenzaun bewundern konnte. Danach sind wir gemaechlich zum Ufer spaziert und mit dem Boot zur Freiheitsstatue und nach Ellis Island gehopst. Waren schon wieder schwer beeindruckt, auch wenn an Lady Liberty inzwischen doch schon ziemlich viel Taubenkacke klebt.
Haben uns auch jede Menge Kunst reingezogen, z.B. im Guggenheim. Normalerweise bin ich nicht so der Kunstversteher, aber da war schon einiges bei, das man sich zur Not auf’s Klo haengen koennte. Das Gebaeude an sich ist allein schon die Reise wert, es ist angelegt wie das Innere eines Schneckenhauses und man lustwandelt sich spiralfoermig von unten nach oben. Muss schon sagen, eine prima Idee. Irgendwann musste Barry dann arbeiten und ich war alleine im MoMA, wo es noch postmoderner zuging. Mir hat besonders die Konzeptkunst gefallen (z.B. war eine halbe Etage einer Sonderausstellung zum Thema “Linie” gewidmet), waehrend die diversen Sammlungen von Kornflakeskartons mich nicht so angeschockt haben.
Davon abgesehen waren wir im Central Park (Blaetter sammeln), Bagel essen (mit Pastrami & Sauerkraut), am Times Square, Madison Avenue, 5th Avenue, Rockefeller Centre, SHOPPEN!!!, jede Menge Kaffee trinken… Alles haben wir aber nicht geschafft, eigentlich wollten wir noch ins Naturkundemuseum, Pizza essen, Taxi fahren… Jedenfalls waren wir nach 4 Tagen schon ganz schoen abgelatscht.
An Thanksgiving haben wir uns dann aufgemacht nach New Jersey, unseren Mietwagen abgeholt und Lara aufgegabelt! Die Fahrt zurueck nach Brooklyn war gelinde gesagt abenteuerlich, aber irgendwann hatten wir’s dann doch geschafft. Und gleich wurde weiter getuemmelt, diesmal auf dem Empire State Building. Unguenstigerweise hatten wir dafuer den bis dahin einzigen Tag mit schlechtem Wetter erwischt, es war - wie der Holsteiner sagt - diesig. Trotzdem war die Aussicht fantastisch. Danach sind wir ein bisschen im Nieselregen herumgeirrt, bis wir irgendwann endlich unser Dinner in einem lustigen mexikanischen Restaurant hatten.
Das war also New York, leider viel zu kurz und ich muss UNBEDINGT bald wieder hin. Ehrlich gesagt bilde ich mir ein, dass ich in irgendeinem parallelen Leben New Yorkerin bin. Hab total den Style.
So, unseren wilden Tripp zu den Niagarafaellen mit Lara gibt’s im naechsten Teil. Puh!